Heilende Zeiten

                            Privatpraxis für Physiotherapie und energetisches Heilen

auf der Insel Spiekeroog



                 


               Von Wurzeln 




            beflügelt

Mitten unter uns und oft verborgen für neugierige Augen lebt das " Kleine Volk", das Volk der Zwerge.
Tief im Wald, am Gebirgsrand, bewohnen sie gemütliche Höhlen und Hütten.
Der Wald bietet ihnen Schutz und die Berge Sicherheit.
Ganz mutige Vertreter des kleinen Volkes leben hoch oben in den Bäumen.
Dort haben sie sich in luftiger Höhe ihre Häuser zwischen starken Ästen gebaut mit Blick über das ganze 
Zwergenreich.

Die Zwerge sind ein fröhliches Volk, singend und tanzend feiern sie das Leben und verbringen viel Zeit in der großen Dorfgemeinschaft.
Die Familie ist ihnen sehr wichtig und sie ziehen ihre Kinder sehr liebevoll auf.

Elja, die Zwergin ist erst kürzlich 275 Jahre alt geworden, was einem Menschenalter von ca. 30 Jahren entspricht.
Heute ist sie schon früh aufgestanden, um noch vor Sonnenaufgang loszuziehen in den Wald, um herrlich frischen Farn zu sammeln, der besonders zart schmeckt, wenn noch etwas Morgentau die Blätter benetzt.
Elja wird daraus eine leckere Suppe kochen.

Fröhlich ihren großen Weidenkorb schwingend, macht sie sich auf den Weg.
Nach einem langen Winter ist heute der erste Tag, an dem sie ohne Schuhe losgehen kann und sie genießt die noch kühle Erde unter den nackten Füßen.
Heute trägt sie ihr neues Leinenkleid mit einem roten Wams, das von Lederschnüren zusammengehalten wird.
Ihre braunen Haare liegen wie eine Wolke um ihren Kopf und wippen bei jedem Schritt lustig im Takt.
Ein Lied summend wandert Elja immer tiefer in den Wald hinein.
Das dunkle Grün der Bäume heißt sie willkommen und als die Sonne aufgeht, strahlt der Wald im Scheine des warmen Lichtes immer heller.
Die Tiere im Wald erwachen und melden sich mit ihren Stimmen, der Duft der Blumen und Gräser kitzelt Elja in der Nase, was ihr ein kehliges Lachen entlockt.

Plötzlich vernimmt die Zwergin ein ungewöhnliches Geräusch in einiger Entfernung.
Vorsichtig setzt sie ihre Schritte, die Ohren ganz zitternd vor Anstrengung, bemüht, den Ursprung der Laute zu finden.
"Kann es ein Rehkitz sein oder irgendein anderes verletztes Tier?"
Schon oft konnte Elja mit ihren wunderbaren Kräutern, die sie immer sammelt, einem Tier helfen.
Doch der Laut, der jetzt auf Elja`s Ohren trifft, kommt ihr doch sehr fremd vor und ihre lustigen braunen Augen weiten sich in ängstlicher Erwartung.

Alles Fremde kann ihrem Volk gefährlich werden, das haben schon die Alten erzählt und das wird von Generation zu Generation weitergetrtagen.
Alle Zwerge hüten sich, ihr Heimatgebiet zu verlassen und halten sich von allem Fremden fern, denn in früheren Zeiten kam immer wieder großes Unglück über das Zwergenvolk, wenn diese Gesetzte mißachtet wurden.
Nicht selten kehrten Zwerge nicht mehr nach Hause zurück und waren in der Fremde für immer verloren.

Elja kommt immer näher an die große Lichtung im Wald, auf der sie häufig schmackhafte Gänseblümchen für einen Salat sammelt.
Ein zartes Wimmern dringt zu der Zwergin und sie bleibt mit Herzklopfen am Rande der Lichtung stehen, im Schutze der Bäume.

Ihre Augen wandern über die von der Morgensonne beschienene Wiese und sie kann im weichen Gras eine zarte Bewegung wahrnehmen.
Ein kleines Wesen liegt dort und Elja betrachtet es aus sicherer Entfernung.
Die Zwergin spürt, wie Angst in ihrem Körper hochkriecht und sie hört ihren Herzschlag dumpf bis in den Kopf schlagen.
"Was ist das denn nur ? Kann es mir gefährlich werden ? Was soll ich tun ?"
Elja verharrt immer noch am Rande der Lichtung und bemerkt, daß das  Wesen sich nicht forbewegt.
Offensichtlich ist es noch sehr klein und vielleicht braucht es Hilfe.
" Alles Fremde bedeutet Gefahr" klingen in Elja`s Ohren die alten Weisheiten des Zwergenvolkes.
"Was du nicht kennst, kann dich töten", " Du bist nur unter Deinesgleichen sicher".

Wenn es gefährlich wäre und mich töten wollte, hätte es das doch schon längst getan, denkt Elja und wagt sich entgegen all der alten Überzeugungen mutig auf die Wiese, in den Sonnenschein und kommt Schritt für Schritt der vermeintlichen Gefahr näher.
Schließlich bleibt sie stehen und kann nun das winzige Ding näher betrachten.

Es hat helle Haut, sehr viel heller als die Hautfarbe der Zwerge, fast durchscheinend mit langen zarten Armen und Beinen, Finger lang und schmal wie Spinnenbeine, dünnes blondes Haar, das  zart um den Kopf liegt.
Große blaugraue Augen blicken die Zwergin an, angstvoll geweitet.
Vorsichtig kommt Elja noch näher , faßt schließlich allen Mut zusammen und kauert sich ins Gras.
Das fremde Wesen hört auf zu wimmern und betrachtet die Zwergin jetzt auch seinerseits mit Erstaunen.
Die Arme und Beine fangen an, sich heftig zu bewegen, als ob sie sich mitteilen wollten.
Elja versinkt mit ihrem Blick in den Augen des kleinen Wesens und spürt, wie sie selber und auch ihr Gegenüber immer ruhiger wird.
"Wer bist Du?" fragt Elja, "Wo kommst Du her ?".
Die graublauen Augen des kleinen Wesens erinnern die Zwergin an die Farbe von Kieselsteinen, die sich sanft im Bachbett bewegen.

Dunkel tauchen alte Bilder vor Elja`s Augen auf, als sie selbst noch ganz klein war. 
Es muß schon über 200 Jahre her sein, als ein Elfenvolk durch das Zwergenreich zog.
Sie suchten damals die Zwerge auf, um ihren Wasservorrat für die Reise aufzufüllen. Auch etwas Nektar nahmen sie dankbar an, reisten noch am selben Tag weiter und wurden nie wieder gesehen.
Bis zum heutigen Tag. 

Unsicher steht Elja auf und blickt auf das kleine Wesen zu ihren Füßen. 
Sie weiß, wenn sie es hier auf der Lichtung liegen läßt, wird es rasch sterben oder von Tieren getötet werden.
Das würde sich Elja nie verzeihen und ist sich sicher, daß sie das Richtige tun wird.
Ganz zart nimmt Elja das kleine Elfenbaby in ihre Arme, schaut in die strahlenden Augen und spricht: " Ich werde Dich mitnehmen und für Dich sorgen. Dein Name wird "Silja" sein, was in der Zwergensprache "Kieselchen" heißt, denn Deine Augen sind wie Kiesel in einem fröhlichen Bachbett."
So macht sich Elja mit der kleinen Elfin auf den Weg nach Hause.
Vertrauensvoll schmiegt sich Silja in die kräftigen Zwergenarme und schläft schon nach kurzer Zeit ein, während  Elja ein beruhigendes Lied summt.

Der Weg zurück durch den Wald erscheint Elja jetzt viel weiter zu sein und unruhige Gedanken plagen sie " Was wird mein Volk sagen? Wie werden sie der kleinen Elfe begegnen? Schließlich ist es etwas Fremdes, was ich ihnen bringe.."

Ganz versunken in diese Gedanken wandert Elja ihres Wegen, als plötzlich Mino und Sala, die beiden Zwergen-Zwillinge durchs Gebüsch brechen.
"Was hast Du uns heute mitgebracht, Elja ? Das sieht aber gar nicht nach Farn oder Kräutern aus. Kann man das essen?"

Die immer hungrigen beiden Jungen können es oft nicht erwarten, von Elja`s leckeren Gerichten zu kosten.
"Nein, heute habe ich ein kleines Elfen-Baby gefunden auf der großen Waldlichtung. Es lag hilflos im Gras und kann sich noch nicht selber versorgen."
Mit großen Augen betrachten die jungen Zwerge die schlafende Silja und werfen Elja mißtrauische Blicke zu.
Bist Du sicher, daß dieses Wesen ungefährlich ist ? Du weißt doch, alles Fremde kann uns töten..."
"Seht sie euch doch an, wie friedlich sie schläft... sie ist noch so klein und braucht meine Hilfe"
Elja wiegt das kleine Elflein in ihren Armen und Mino und Sala laufen schnell in Richtung des Dorfes, um die Ersten zu sein, die diese Neuigkeit verkünden.

Als Elja die Dorfgrenze erreicht, wird sie schon von einem Großteil der Dorfbewohner erwartet.
Mißtrauisch und teilweise auch sehr grimmig blicken sie ihr entgegen.
Elja bleibt unsicher stehen und schon melden sich einige Zwerge zu Wort.
" Was bringst du uns da ? Das haben wir noch nie gesehen. Du weißt doch, Fremdes kann uns töten, auch wenn es klein ist.. Du gefährdest uns alle.
" Seht es Euch doch genau an, es ist ein Elfenbaby, das aus irgendwelchen Gründe verloren ging. Es braucht meine Hilfe, sonst stirbt es. Ich will es aufziehen und nähren, so gut ich kann." entgegnete Elja.
"Jetzt ist es noch klein, aber was passiert, wenn es größer wird.... wer weiß, ob es dann auch noch ungefährlich ist " erwiderten die Dorfbewohner.
In diesem Moment schlägt Silja ihre großen Augen auf und alle Zwerge nehmen erschrocken etwas Abstand.
Ein Lächeln breitet sich über das kleine Elfengesicht aus und Elja kann dem nicht widerstehen und lächelt zurück.
" Wenn es mir oder Euch schaden wollte, hätte es das schon längst getan. Seht her, es lächelt und will uns allen nichts Böses. Laßt es mich bitte behalten und ich werde dafür sorgen, daß es Euch nicht schaden wird."
Ein lautet Gemurmel erhebt sich über die Dorfbewohner und schließlich tritt eine der ältesten Zerginnen vor, die sich auch noch an die reisenden Elfen erinnern kann und gibt Elja den Weg frei zum Dorf.

So zieht Elja die kleine Elfin Silja auf und sie leben viele Jahre gemeinsam im Dorf, immer wieder mißtrauisch beäugt.
Jeder Entwicklungsschritt von Silja erregt die Aufmerksamkeit des Zwergenvolkes.
Die ersten Krabbelversuche werden kritisch beobachtet, genauso wie die ersten Schritte. 
Immer wieder kommen bange Fragen der Dorfbewohner nach der " Ungefährlichkeit" der kleinen Elfin.

Seit Silja zum ersten Mal ihre zarten Flügel ausbreitete, sind inzwischen schon 150 Jahre vergangen und aus dem kleinen Elfen-Baby ist ein wunderschönes junges Elfenmädchen geworden, das die Herzen des Zwergenvolkes  immer mehr für sich gewinnt.
Es vergeht kein Tag, an dem Silja`s glockenhelles Lachen über das Dorf weht und selbst die grimmigsten Herzen erweicht.

Eines Tages sind Elja und Silja wieder früh aufgestanden, um sich auf die Suche nach schmackhaften Pilzen zu machen.
Ihr Weg führt sie heute in den Wald hinein bis an den Rand des Zwergenreiches, als beide zarte Stimmen vernehmen, die über die Baumwipfel schweben.
Es ist ein Gesang, den Elja noch nie vernommen hat. Silja spitzt ihre Ohren und sie vibrieren vor Aufregung.
Wie gebannt bleiben beide stehen und lauschen den wundersamen Klängen.
Die junge Elfin fühlt sich wie angezogen von diesem Singen und Schwingen in der Luft und bewegt sich immer mehr auf die Grenze des Zwergenreiches zu, aus den sicheren Bäumen heraus.
Elja folgt ihr besorgt " Silja bleib hier, wir sind jenseits der Grenze nicht mehr sicher !"
"Liebste Elja, es zieht mich diesen Klängen entgegen, ich spüre, das sind die Stimmen meines Volkes. Sie rufen mich und ich muß ihnen folgen, wohin auch immer."
" Nein, bitte bleib hier. Du bist des Todes, wenn du das Zwergenreich verläßt. Das haben die Alten immer schon gesagt und viele unseres Volkes waren verloren, sobald sie die Grenze des Reiches verlassen haben."

Elja und Silja kommen am Rand des Waldes an und ihre Blicke schweifen über die weite Ebene, die in sanftem Dunst am Horizont verschwimmt.

" Wir wissen nicht, was jenseits der Ebene liegt, von dort ist nie wieder jemand zurückgekommen " spricht Elja mit klopfendem  Herzen.
Die große Liebe zu Silja erfüllt sie voll und ganz und Elja kann doch sehen, wie sehr sich die junge Elfin zu den wundersamen Klängen hingezogen fühlt.

In diesem Moment wird der Zwergin klar, daß Silja auf dem Weg ist, eine junge Frau zu werden und nun andere Nahrung braucht, als Elja ihr geben kann. Um ganz zur Elfin heranzuwachsen braucht Silja die Nahrung des Elfenvolkes.
Schon seit einigen Jahren wundert sich Elja, daß Silja zwar ihre Flügel immer wieder ausbreitet, aber nie den Versuch unternimmt, zu fliegen....
Offensichtlich war die erdende Zwergennahrung ausreichend, um Silja groß werden zu lassen, nur um ganz erwachsen zu werden und zu fliegen braucht sie jetzt die Nahrung der Elfen.

Elja betrachtet dieses wunderbare Wesen, das sie so lange gehegt und gepflegt hat, das sie liebt wie ein eigenes Kind.
Ihr Herz ist angefüllt von der Liebe zu Silja und plötzlich taucht ein Bild in Elja`s Kopf auf... sie kann sehen, wie Silja wie ein Blatt vertrocknet, wenn sie nicht die Nahrung der Elfen bekommt und sie wird zu Staub zerfallen... fortgetragen vom Wind....

Mit Tränen in den Augen wendet sich Elja Silja zu und spricht: " Mein geliebtes Kind, ich weiß nicht, was Dich jenseits der Ebene erwartet, aber ich spüre, daß ich dich gehen lassen muß, auch wenn das tausende Jahre alte Zwergenwissen dagegen spricht, denn Du brauchst jetzt Dein Volk um weiter zu gedeihen. Ich konnte dir gute Wurzeln geben, doch Dein Volk wird Dir jetzt die Kraft geben zu fliegen.....
Ich liebe dich und werde Dich immer lieben, egal, wohin Dein Weg Dich führen mag. Mir zerreißt es fast das Herz, beim Gedanken, Dich gehen zu lassen... Was uns bleibt, ist die Liebe, möge sie dich dahin tragen, wo Du zu Hause bist."

Silja und Elja umarmen sich ein vielleicht letztes Mal und die Elfin sagt zum Abschied " Ich werde Dich nie vergessen und danke Dir für all Deine Liebe und Deinen Schutz. Sicher werden wir uns wiedersehen..."

Mit diesen Worten wendet sich Silja der Ebene zu und folgt dem Gesang der Elfen....